Wirtschaftlichkeit in Schwachwindregionen

Vernünftige Investition oder eine mit Steuergeldern subventionierte Kostenfalle?

Wir leben in einer Niedrigwindregion verglichen zu Norddeutschland. Die Wirtschaftlichkeit von Windkraft in unseren Breitengraden ist ein physikalisches Grenzszenario. XXL-Anlagen mit einer angedachten Nabenhöhen von 200m und Gesamthöhe von 285m sind die Antwort der Industrie, um solche Standorte für die Windkraftbranche nutzbar zu machen. Doch die Bilanz scheint zweischneidig.

Die wirtschaftlichen Treiber (Chancen):

  • Ertragskonstanz: In großen Höhen weht der Wind nicht nur stärker, sondern vor allem gleichmäßiger. XXL-Anlagen wandeln Niedrigwindstandorte in „Quasi-Grundlastfähigkeit“ um, da sie deutlich mehr Volllaststunden erreichen als kleinere Anlagen.
  • Flächeneffizienz: Da Pachtflächen und Genehmigungen knapp sind, ist „High-Output-pro-Standort“ oft die einzige Möglichkeit, die hohen Projektentwicklungskosten zu amortisieren.

Die kritischen Faktoren (Risiken):

  • Explodierende Investitionskosten (CAPEX): Die Logistik für solch grossdimensionierten Rotorblätter und der Einsatz von Spezialkranen, die auf  200 Meter heben können, sind extrem teuer. Steigen die Zinsen oder Materialpreise, gerät die Kalkulation schnell  unter Druck.
  • Wartung und Lebensdauer (OPEX): Die mechanische Belastung auf das Material ist bei riesigen Rotoren enorm. Es gibt für die neueste Generation noch keine Langzeitdaten; unerwarteter Verschleiß oder Getriebeschäden können die Rendite über 20 Jahre hinweg auffressen.
  • Ablehnung der Bevölkerung: XXL-Anlagen stoßen aufgrund der optischen allgegenwärtigen Dominanz oft auf massiven lokalen Widerstand. Das sehen wir derzeit überall in Niederbayern. Klageverfahren ziehen Projekte in die Länge – Zeitverlust ist bei volatilen Strommärkten ein massiver wirtschaftlicher Risikofaktor.
  • Abhängigkeit von massiven steuergeldfinanzierten Subventionen: Trotz technologischer Sprünge bleiben XXL-Projekte in Schwachwindgebieten vom Korrekturfaktormodell im EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) stark abhängig. Sinken die staatlichen Vergütungsanreize, wirft die Investition keine Gewinne für die Investoren und Projektierer ab.

Fazit:

Technisch sind XXL-Anlagen eine Möglichkeit von vielen, Energie im Süddeutschland zu erzeugen.

Wirtschaftlich erscheinen sie jedoch eine Wette auf hohe Steuergeldsubventionen: Die hohen Anfangsinvestitionen müssen durch maximale technische Verfügbarkeit und hohe Subventionierung über zwei Jahrzehnte bei Investoren und Projektierern eingespielt werden. Ein kleiner Knick in der Windstatistik, ein technischer Serienfehler oder eine lange überfällige Objektivierung und Entideologisierung in Deutschlands Energiestrategie und der Business Case „XXL Windkraftanlagen in Niedrigwindgebieten“ könnte wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Wir brauchen in Deutschland eine vorausschauende, langfristig angelegte, möglichst diversifizierte und balancierte, ökonomisch kluge Energiestrategie, egal welche Regierung gerade im Amt ist. Da wir es als Aufgabe des Staats ansehen, die Energieversorgung langfristig sicherzustellen, sollte die jeweils amtierende Regierung dieser grundsätzlichen Strategie auch konsequent folgen. Ökonomisch klug bedeutet, dass mit jedem verwendeten Euro an Steuergeld im Bereich der Energieversorgung der maximale Stromertrag erzielt werden sollte. Dass schließt, diesem Gedanken folgend, eine Subventionierungen von XXL-Windkraftanlagen in allen Schwachwindgebieten kategorisch aus.

Andernfalls bewahrheitet sich das Resumee des in Welt.de am 13.03.2026 erschienenen Artikels (externer Link) hinsichtlich der Windkraft in Schwachwindregionen:

Für diese Subventionen müssen alle Steuerzahler aufkommen, während davon nur einige wenige profitieren, allen voran die Windparkprojektierer und Verpächter der Grundstücke.